Villa Speranza

heute Strandschloss

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Villa Speranza

Ostseebad Binz
Hauptstraße 25

Frühere Hausnamen: Villa Speranza, Villa Strandschloss, Haus Orplid
Heute: Strandschloss

Architektur: Im Buch „Pommersche Bäderarchitektur“ von Wolfgang Schneider & Torsten Seegert wird das Haus unter anderem wie folgt beschrieben: Unmittelbar an der Öffnung der Hauptstraße zur Strandpromenade gelegen, verkörpert dieses Haus ein weiteres Beispiel der abwechslungsreichen Gestaltung der Binzer Bäderarchitektur. Angepasst an die räumliche Situation weist das Gebäude eine Gliederung in sieben Hauptachsen auf, wobei sich Risalite und Loggien in der Ansicht abwechseln. Dominiert wird die Ansicht von einem Mittelrisaliten mit eingelagerten Loggien, dessen rechtwinklig aus der Dachfläche heraustretender Giebel von einer Turmkonstruktion bekrönt wird. …

Baujahr: Um 1906

Historie/Besitzer bis 1945: Das Strandschloss wurde um 1906 gebaut und in den Folgejahren schon immer als Logierhaus geführt. Anfänglich hieß es Villa Speranza, ab etwa 1909 Villa Strandschloss. Die Lage war hervorragend, gleich neben dem Kurhaus und an der Seebrücke gelegen. Idealerweise konnte mit dem Auto vorgefahren werden. In den oberen Etagen befanden sich Gästezimmer und im Erdgeschoss Geschäftsräume mit wechselnder Nutzung, von Friseur, Bank, Juwelier, Buchhandlung bis zum Delikatessengeschäft.
Die Strand-Buchhandlung von Arthur Schuster gab es ab den 1920er Jahren. Diese war wie folgt im Binz-Führer „Praktische Winke“ von 1926 beschrieben: Strand-Buchhandlung Arthur Schuster 1. Geschäft: Strandschloss, Wilhelmstr., 2. Geschäft Promenadenecke-Wilhelmstr., Buch-, Kunst-, Papier- und Musikalien-Handlung. 2800 Bände – Leihbibliothek. Jährliche Aufnahme von Neuheiten. Gute Einbände. Deutsch-Englisch-Französisch-Schwedisch. Moderne Autoren. Gedruckter Katalog. Tageszeitungen des In- und Auslandes. Verlag von Schusters Führer durch die Insel Rügen 1926 und Binz. Land-Spezial-Karten v. Rügen. Rügen-Literatur. Alben- u. Panoramakarten. Große Auswahl an Andenken-Artikel. Es war also für jeden Sommerfrischler was dabei.
Der erste Besitzer des Hauses war F. Mäusling jun. Ab etwa 1920 übernahm die Familie Kopka das Logierhaus und führte es als „Pension Strandschloß“. Zwischenzeitlich wechselte der Pächter auf Frau Conrad. Und auch Gottlieb Buttermann war ab 1927 bis Anfang der 1930er Jahre Inhaber und empfahl das Haus zusammen mit seinem Hotel Zum goldenen Löwen. 1934 tauchte erstmalig der neue Villenname „Orplid“ unter Leitung von Frau Kopka auf. Der Name bezieht sich auf ein Gedicht von Eduard Mörike, in dem ein von ihm erfundenes fantastisches Eiland beschreibt: „Du bist Orplid, mein Land! Das ferne leuchtet; Vom Meere dampfet dein besonnter Strand Den Nebel, so der Götter Wange feuchtet.“ So hieß das Gebäude bis 2009.

DDR-Zeit: Zu DDR-Zeiten befanden sich im Haus Orplid Mietswohnungen, eine Eisdiele und ein HO-Sportfachgeschäft.

Nach 1990: Das Haus Orplid wurde 2009 aufgrund von Baufälligkeit abgerissen und von der Denkmalliste genommen. Anschließend erfolgte eine aufwendige Sanierung. Das Haus eröffnete wieder im Sommer 2010 im strahlenden Glanz mit alten Namen.

Heutige Nutzung: Ferienappartements, Ladenzeile und Restaurant

Wissenswertes/Anekdoten:
Das Haus Orplid war auch schon mal Filmkulisse. 1966 wurde die Binzer Strandpromenade für acht Wochen lang bei den Dreharbeiten zum Film „Ohne Kampf kein Sieg“ zur Rennstrecke von Monte Carlo. Manfred von Brauchitsch, Rennfahrer seines Zeichens, raste die Strandpromenade lang, vorbei am Haus Orplid.

Fotos: Sammlung Boy, Lutz Grünke, Sammlung Binzer Bucht Tourismus, Ortsarchiv Binz, Binzer Bucht Tourismus

Text: Binzer Bucht Tourismus