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    Weißes Rössl · Silberner Fisch

    Frühere Hausnamen: Der Hausname „Weißes Rössl · Silberner Fisch“ wurde seit der Eröffnung bis heute beibehalten.

    Architektur: Aus dem Buch “Landhäuser & Villen am Meer – Rügen & Hiddensee” (Barbara Finke und Beatrice Pippia): Dieses Haus scheint nicht so recht in die Reihe der historisierenden Villenbauten der Binzer Strandpromenade zu passen. Schnell läuft man an dem schlichten Gebäude vorbei, zur nächsten Villa mit malerischen Türmchen und schön verzierten Loggien. Dabei handelt es sich bei dieser Villa um ein Architektenhaus, das einen zweiten Blick wert ist. Der renommierte Berliner Baumeister Otto Spalding (1863-1945), Berliner Oberpostbaurat und auch Erbauer des 1908 neu eröffneten Binzer Kurhauses, baute sich 1906 auf diesem Grundstück sein eigenes Landhaus. Von Beginn an trug die als Doppelhaus geplante Villa die beiden Namen Weißes Rössl und Silberner Fisch. Der Entwurf als Doppelhaus erleichterte die vielseitige Nutzung des Baus. Einige Räume waren für Spaldings Architekturbüro vorgesehen, andere als Wohnraum für die Familie. Zusätzlich sollte an Badegäste vermietet werden. … Die Villa Weißes Rössl / Silberner Fisch wurde im Sinne der modernen Auffassung des Landhausbaus gebaut und verzichtet auf Türmchen, Erker, Loggien und Giebelschmuck. Hauptgestaltungselemente sind die Anordnung der Fenster und die Form des Dachs, das wie ein eigener Baukörper behandelt wird. Die Fenster des Hauses richten sich nach der Funktion und den Lichtbedürfnissen der Räume – eines der Hauptmerkmale der modernen Architektur. Die Modernität des Baus wird besonders deutlich, wenn man ihn mit anderen, später entstandenen Bauten der Strandpromenade in Binz, wie etwa der Villa Sirene, vergleicht.
    Eine sehr passende Beschreibung zur Villa ist auch hier zu finden:
    „An der hart am Ufer sich etwa 9 km lang hinziehenden Strandpromenade liegt das Haus, wenige Meter über dem Wasserspiegel. Es zeigt eine auf der Insel bisher ungebräuchliche Bauweise. Der Kern der Aussen – und Innenwände besteht aus ausgemauertem Fachwerk; auf der Aussenseite sind die Wände mit auf Latten befestigten, gespundeten Brettern bekleidet, wodurch ein Hohlraum erzielt wurde. (…) Diese Bauweise hat sich gegen die Temperaturschwankungen vorzüglich bewährt, im Sommer bleiben die Zimmer auch bei grösster Hitze kühl, im Winter sind sie leicht zu erwärmen.
    Inmitten der für Rügen typischen Strandhäuser mit ihren aufwendig verzierten Fachwerkfronten und Balkonvorbauten ist Spaldings Doppelhaus ein puristischer Exot von geradezu neusachlicher Einfachheit. Gleich unprätentios gestaltete Spalding das Innere …: Wie in Grenanders Villa Tångvallen in Falsterbo hält auch hier das Einfache, Gediegene und Wohnliche englischer Innenräume Einzug, …
    Aus Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst; Jahr: 5.1906 – Heidelberger historische Bestände digital der Universitätsbibliothek Heidelberg (Zitierlink: https://doi.org/10.11588/diglit.20726)

    Baujahr: 1905/1906

    Historie/Besitzer bis 1945: Die Villa Weißes Rössl · Silberner Fisch wurde um 1906 von Otto Spalding als Doppelhaus geplant und gebaut. Über ihn als Berliner Baumeister heißt es im Buch “Landhäuser & Villen am Meer – Rügen & Hiddensee” (Barbara Finke und Beatrice Pippia): Otto Spalding arbeitete viele Jahre als Associé im Büro seines Schwagers Alfred Grenander (1863-1931), der mit seinen Entwürfen zu über siebzig Berliner U-Bahnhöfen international bekannt wurde. Das Büro „Spalding & Grenander“ plante zahlreiche Sommerhäuser. Eines ihrer bekanntesten Häuser ist die für den Berliner Holzhändler und Maler Oskar Kruse erbaute Lietzenburg (Nachtrag der Redaktion: 1904 erbaut) auf Hiddensee. Schon früh nahmen Spalding und Grenander die neuen englischen und auch amerikanischen Einflüsse der modernen Architektur auf und verabschiedeten sich nach und nach von der damals üblichen Stilarchitektur des Historismus. Nur zwei Jahre vor dem Bau des Landhauses (Nachtrag der Redaktion: Weißes Rössl/Silberner Fisch) war in Dresden der „Deutsche Bund für Heimatschutz“ gegründet worden, der als erste institutionelle Reaktion auf die historisierenden Neo-Stile zu verstehen ist.
    Otto Spalding (1863-1945) war auch wesentlich am Bau des Binzer Kurhauses beteiligt, welches 1908 eröffnet wurde. Familie Spalding offerierte ihre Villa 1909 im Führer Binz auf Rügen mit folgendem Inserat: Zum silbernen Fisch und Zum weissen Rössl’ An der Strandpromenade gelegen empfiehlt abgeschlossene Wohnungen, sowie ganze Villen von 5 und 10 Zimmern mit allem Komfort. Elektr. Licht. Oefen. Mitte der 1920er Jahre hieß es dann: “Zum weißen Rößl” u. “silberner Fisch” Einfamilienhäuser an der Strandpromenade in der Nähe des Kurhauses und der Bäder, mit allen Bequemlichkeiten, vornehmer Ausstattung, Glasveranden und Oefen. Besitzer: Oberbaurat Spalding, Berlin-Südende, Berlinerstraße 27 Südring 3142 (aus „Praktische Winke – Ostseebad Binz auf Rügen“ von 1925). Bis 1953 war die Villa in Familienbesitz und wurde auch für Aufenthalte an der See angeboten.

    DDR-Zeit: Im Jahre 1953 wurde im Zuge der „Aktion Rose“ die Eigentümerfamilie enteignet und die Wohnflächen, insbesondere Familien, als Mietwohnungen zur Verfügung gestellt. Zu dieser Zeit hatten die Wohnungen noch keine Bäder.

    Nach 1990: Nach der Wiedervereinigung erhielten die Nachkommen der ehemaligen Eigentümerfamilie die Villa in den 1990er Jahren zurück. Das Haus befand sich in einem desolaten Zustand und wurde Mitte der 1990er Jahre unter strengen denkmalschutzrechtlichen Auflagen komplett saniert. Otto Harnisch, Enkel von Otto Spalding, war als Architekt federführend am Wiederaufbau des Hauses beteiligt. Dabei sollte der Charakter der Villa weitgehend unverändert zu erkennen sein. Insbesondere die alten Balken sowie die historische Fassadengestaltung blieben erhalten. Zudem war eine Neugestaltung der Ferienwohnungen einschließlich der Küchen und dem Einbau von „richtigen“ Bädern notwendig. Seit 1997 werden die sechs liebevoll eingerichteten Wohnungen als Ferienwohnungen vermietet.

    Heutige Nutzung: Privatgeführte Ferienwohnungen

    Wissenswertes/Anekdoten: Auch zur Villa Drei Rosen (Strandpromenade 32a), die sich landseitig hinter „Weißes Rössl · Silberner Fisch“ auf dem Grundstück befindet, gibt es eine interessante Geschichte im Buch “Landhäuser & Villen am Meer – Rügen & Hiddensee” (Barbara Finke und Beatrice Pippia) nachzulesen:
    Auf dem hinteren Teil des Grundstücks bauten Otto und Gunilla Spalding 1913 ein zweites Landhaus, das als Sommerhaus für die Familie gedacht war. Tatsächlich tauchte die Villa Drei Rosen damals in keinem Badeprospekt auf, was bedeutet, dass sie nicht vermietet wurde. Der Entwurf des Hauses mit holzverkleidetem Giebel und Fensterläden richtet sich nach dem modernen Landhausstil der Zeit, wie er damals vielerorts in Deutschland anzutreffen war. Wie bei der Villa Weißes Rössl/Silberner Fisch, dem ersten Sommerhaus der Spaldings, ist auch hier durch den Verzicht auf historisierenden Schmuck und durch die unregelmäßige Anordnung der Fenster der Wandel, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Wohnungsbau vollzogen hat, gut erkennbar. Am Westgiebel des Hauses befindet sich ein Emblem mit drei Rosen, die für die drei älteren Töchter der Spaldings stehen. Da die vierte Tochter zur Bauzeit des Hauses noch nicht geboren war, wurde sie als Rosenknospe am Zweig dargestellt. Beide Landhausvillen sind noch heute in Familienbesitz und werden als Ferienwohnungen vermietet.

    Fotos: Sammlung Familie, Sammlung Binzer Bucht Tourismus

    Text: Binzer Bucht Tourismus