Bäderarchitektur

Hotel Granitz

Ostseebad Binz

Übersicht


Standort
Ostseebad Binz
Straße
Bahnhofstraße 2

Beschreibung


Frühere Hausnamen: Villa Victoria

Architektur: Das Haus entstand, als Binz die ersten Schritte vom „Kleinbauerndorf zum Seebad“ ging. Die finanziellen Möglichkeiten waren in der Regel bescheiden, was im Material und in der Gestaltung erkennbar war. Ziegelfachwerk, Pappdach und Holzbalkone sind ein Beleg dafür. Das Haus ist typisch für die Bauweise dieser Zeit. Die Einteilung des Hauses in den erdgeschossigen Laden- und Gaststättenbereich und der obergeschossigen Nutzung als Wohnung und Fremdenzimmer weist darauf hin, dass der Kaufmann Malchin den Bau veranlasst hat.

Baujahr: Vor 1890

Historie/Besitzer bis 1945: Die Villa Victoria wurde voraussichtlich vor 1890 gebaut. Im Rügenführer von Dunker 1890 gibt es eine Anzeige von Ch, Malchin für seinen Kolonialwarenladen, die wie folgt aussah: „Ch. Malchin, Werbung für Colonialwaren, Wein- und Bierhandlung, Tabac- und Cigarrengeschäft, Fleisch- und Wurstwaren, gelegen mittig im Ort an der Hauptstraße“. 1898 heißt es im Adressbuch: „Christ. Malchin, Villenbesitzer und Kaufmann, ebenfalls mit einer Anzeige zur Villa Victoria.“ Auch in den Folgejahren annoncierte der Kaufmann Malchin sowohl für sein Geschäft als auch für die Zimmervermietung in der Villa Victoria, im Binzführer von 1905 dann eine Anzeige: „Bankgeschäft Kaufmann Malchin, Villa Victoria. Sämtliche ausländische Geldsorten werden umgewechselt.“ 1909 übernimmt ein Herr Voss die Villa, 1917 dann Richard Stöckmann. 1928 folgt Bruno Lokenvitz als Besitzer.
Im Buch „Im Namen der Rose – Enteignungen auf Rügen 1953“ – Schriften des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Bergen/Autorin Irina Wichert heißt es in groben Zügen inhaltlich:
„Bruno Lokenvitz wurde 1898 in Binz geboren und verließ als junger Mann mit Mutter und Schwester Rügen. Die Liebe zur Insel ließ ihn 1927 mit seiner Frau und den beiden Töchtern (Inge und Lore) zurückkehren. Familie Lokenvitz kaufte die „Binzer Bierstuben“, eine kleine Gastwirtschaft, in der etwa 15 Tische mit 80 Plätzen für Gäste und Einheimische zur Verfügung standen. In der Hochsaison konnten täglich bis zu 300 Mahlzeiten ausgegeben werden. In einem Nebenraum befand sich eine Kegelbahn. In den beiden oberen Etagen waren Fremdenzimmer und die Privaträume untergebracht. Das Haus war schlicht und einfach. Und obwohl die Pension nur wenige Zimmer hatte und nicht direkt am Wasser lag, kamen die Gäste doch gern. Das Haus war ständig gut besucht.
Im Haus der „Binzer Bierstuben“ befand sich im Erdgeschoss auch ein Kolonialwarenladen auf Pacht. Während des zweiten Weltkrieges wurde es in Binz ruhiger. Es kamen weniger Urlauber, dafür zunehmend die ersten Flüchtlinge, die auch in die „Binzer Bierstuben“ einzogen.“

DDR-Zeit: „1953 traf auch die Familie Lokenvitz die Aktion Rose. Die „Binzer Bierstuben“ wurden vorerst einem Treuhänder übergeben. Die Angestellten der Familie setzten sich für sie ein. Nach ihrer Rückkehr erhielten Bruno und Martha Lokenvitz ihre Pension zurück. Um 1960 entschied man sich, aufgrund der nachlassenden Kräfte die Gaststätte „Binzer Bierstuben“ an die HO (Staatliche Handelsorganisation) zu verpachten. Ein paar Fremdenzimmer führten sie noch weiter. Bruno Lokenvitz verstarb 1970. Einige Jahre später verkaufte seine Frau die „Binzer Bierstuben“ an die LPG Poseritz (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) zur Unterbringung von Urlaubern“, in Teilen inhaltlich zitiert aus: Buch „Im Namen der Rose – Enteignungen auf Rügen 1953“ – Schriften des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Bergen/Autorin Irina Wichert.

Nach 1990: Im Jahre 1992 wurde das Haus grundlegend saniert, ohne den Charakter des Hauses zu verändern und als Hotel Granitz mit den „Binzer Bierstuben wiedereröffnet.

Heutige Nutzung: Privatgeführtes Hotel mit Traditions-Restaurant

Wissenswertes/Anekdoten: Eine Besonderheit des Restaurants ist die Riesenkohlroulade „du Chef“ mit 1.000 Gramm, die wöchentlich am Donnerstag auf der Speisekarte steht.

Fotos: Sammlung Hotel, Lutz Grünke, KV Binz

Text: Klaus Boy, KV Binz

Standort




Ein Kommentar zu "Hotel Granitz"

    Christian Guhn 7. Juli 2019

    Habe vor 40 Jahren in der Binzerbierstube als
    Kellner gearbeitet. Zur damaligen Zeit und das muß ich sagen weil ich das beurteilen kann waren die Gäste was den Speisen betraf zu frieden vor allem Preiswert. Leider war ich seit 35 Jahren nicht mehr in Binz denke sehr viel an die schöne Zeit zurück. Mein größter Wunsch wäre es alles nochmal zu sehen bevor man von dieser Welt geht. Damals war ich 32 jetzt 72 Jahre. War Jahre lang Kellner in den FDGB Heimemen bevor ich in die Binzerbierstube arbeitete, es war schön!

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P.S.: Wir bedanken uns recht herzlich bei allen teilnehmenden Villen und Häusern sowie bei Klaus Boy (Binzer Reiseleiter) für das Engagement und die Unterstützung bei der Erstellung des QR-Code-Pfades. Wünschen Sie ausführlichere Informationen zu den prachtvollen Bauten, empfehlen wir Ihnen die wöchentlich stattfindenden Ortsführung (mittwochs um 10 Uhr).