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    Haus Zobler

    Frühere Hausnamen: Der Hausname “Zobler” wurde seit der Eröffnung bis heute beibehalten. Der Vorsatz „Villa“ oder „Haus“ wechselte gelegentlich. 

    Architektur: Ein großes Haus mit symmetrisch gegliederter Fassade bestehend aus zwei Volutengiebeln, verbunden durch einen Balkonvorbau aus Metall. Markant sind die neun Löwenköpfe an der Frontfassade.

    Baujahr: 1903 bzw. 1904

    Historie/Besitzer bis 1945: 1896 eröffnete Heinrich Zobler ein Atelier für moderne Photografie in Greifswald. 1903 ließ er in der Binzer Wilhelmstraße (heute Hauptstraße) zunächst einen Flachbau für Geschäfte errichten. Bereits 1904 erfolgte die Aufstockung des Hauses zur „Villa Zobler“ mit 28 Zimmern für Urlaubsgäste. Im Parterre waren vier Geschäfte. Neben dem eigenen Photogeschäft gab es einen Friseursalon, ein Bijouterie- und Luxuswarengeschäft und eine Drogerie [Reiseführer “Ostseebad Binz Insel Rügen das “nordische Sorrent” 1911″ – herausgegeben von der Badedirektion Binz: Drogerie der Gebrüder Ladwig benannt | 1925 heißt es in den Praktischen Winke – Ostseebad Binz auf Rügen: Drogerie Drogerie Gebr. Ladwig Nachf. Inhaber Reinhold Buchholz, Wilhelmstr. 12, Telefon 33, dicht am Strande, Villa Zobler. Spezialgeschäft empfiehlt Eau de Cologne, Parfümerien, Seifen in großer Auswahl, zu Originalpreisen, sowie alle anderen Toilette-Artikel. — Verbandstoffe, hygienische Binden, Badeschwämme, Gummiwaren, — Brunnen, Krankenweine, Weinbrand, Liköre, Nähr- u. Kräftigungsmittel aller Art. Medizinaldrogen, Tee, Kakao, Schokoladen. Spezialität: Toilette-Artikel. Zahnbürsten, Kämme, Feuerwerkskörper]. Die Geschäfte wurden nur in der Sommersaison betrieben. Familie Zobler wohnte im Sommer in einem Holzhaus in der Sonnenstraße und zog im Winter nach Greifswald in ihr beheizbares Domizil. 1909 wurde das Photogeschäft in Greifswald verkauft. Familie Zobler zog gänzlich nach Binz und eröffnete weitere Filialen in Göhren, Stralsund und Binz.
    In der Zeit des Nationalsozialismus wurden im Sommer die Ferienzimmer durch das Regime für ledige, schwangere junge Frauen zur Erholung genutzt. Nach Kriegsende kamen deutsche „Umsiedler“ aus den Ostgebieten ins Haus. Zum Teil waren es Großfamilien, die sich ein Zimmer teilen mussten, von denen später einige Dauermieter wurden. Die Miete für 1 Zimmer betrug 10,15 Mark, die Höchstmiete für 3 Zimmer war bei 45,00 Mark festgeschrieben.

    DDR-Zeit: Zu DDR-Zeiten wurden die Zimmer ohne Umbau, durch die Gemeinde willkürlich an Dauermieter vergeben. Die Balkone mussten durch die Eigentümerfamilie provisorisch verschlossen werden, um zusätzlichen Wohnraum zu erhalten. Eine eigene Wohnung im eigenen Haus zu bekommen, war abhängig von der Gunst einzelner Entscheidungsträger der Verwaltung. Dass das Haus während der „Aktion Rose“ nicht enteignet wurde, ist lediglich dem Umstand zu verdanken, dass der Fotograf für das Ausstellen entsprechender Dokumente bis zum Schluss noch gebraucht wurde und die Aktion kurz vor der drohenden Enteignung abgebrochen wurde. Die nicht beheizbaren Zimmer in der 3. Etage (Dachgeschoss) wurden von der „Wismut“ (später dann durch den FDGB) an Sommergäste vermittelt. Der Bettenpreis betrug maximal 5,00 Mark. Ohne nennenswerte Mieteinnahmen schaffte es die Eigentümerfamilie, das Haus selbst in dieser Zeit als eines der wenigen Häuser in Binz regelmäßig zu streichen und auch sonst in einem guten Zustand zu erhalten.

    Nach 1990: Seit 1990 erfolgten immer wieder schrittweise Sanierungen im und am Hause. Nicht nur Heizungen sowie sanitäre Einrichtungen wurden modernisiert und erweitert, auch Fenster und Türen getauscht, Isolierungen optimiert sowie historische Elemente wieder hergestellt. Die Nutzung der Villa vom „Büro- und Mietshaus“ in den Nachwendejahren wurde schrittweise der eigentlichen Bestimmung, nämlich der Gästevermietung, wieder zugeführt. 2012 wurde nach umfangreichem Umbau ein Lift mit einem für den Brandschutz notwendigem zusätzlichem Treppenhaus angebaut.
    Das Fotogeschäft wurde in vierter Generation bis 2017 betrieben und war zum damaligen Zeitpunkt das Zweitälteste bundesweit. Das Haus steht als einzelnes Haus unter Denkmalschutz, was Fluch und Segen zugleich darstellt. Auch heute werden immer wieder kleinere und größere Sanierungen vorgenommen, um das Haus zu erhalten und den wachsenden Erwartungen der Gäste und Kunden gerecht zu werden.

    Heutige Nutzung: Einzelhandelsgeschäft für Süßwaren und Bistro im Erdgeschoss, Ferienwohnungen und Wohnung der Eigentümerfamilie in den oberen Etagen

    Wissenswertes/Anekdoten: 1954 kam es im damaligen Friseursalon zu einer Explosion durch einen defekten Elektro-Boiler, welche auch ein Todesopfer zur Folge hatte. Und die Villa hatte auch bereits im Laufe der Zeit einige Prominente als Besucher. So gingen hier Rudi Carell, Didi Hallervorden, Walter Momper, Henry Maske und Max Giesinger schon ein und aus.

    Fotos: Photohaus Zobler, Binzer Bucht Tourismus/Christian Thiele

    Text: Familie Zobler, Klaus Boy